ISO 9001 ohne Ordner-Chaos: ein QM-Portal, das der Auditor liebt
Wie aus verstreuten Word-, Excel- und PDF-Dateien ein durchsuchbares Qualitätsmanagement-Portal wurde, mit Live-Kennzahlen aus dem ERP.
Ausgangslage
Ein Metallbau-Betrieb ist nach ISO 9001 zertifiziert. Das komplette Qualitätsmanagement steckte in einem verschachtelten Ordner: Handbuch, Prozessbeschreibungen, Arbeitsanweisungen, Formblätter, interne und externe Dokumente. Word, Excel, PDF, durcheinander, sieben Ebenen tief.
Das funktioniert, solange niemand sucht. Vor dem TUEV-Audit sah es anders aus. Wo liegt die Arbeitsanweisung Wareneingang? Welches Formblatt gehört zu welchem Prozess? Welche Maßnahme aus dem letzten Audit ist noch offen? Jede Antwort kostete Klicks und Nachfragen.
Die jährliche Managementbewertung nach ISO 9.3 war der größte Brocken. Kennzahlen aus dem ERP von Hand zusammentragen, Maßnahmen aus einer Excel-Liste abtippen, Audit-Ergebnisse heraussuchen, alles in ein Word-Dokument gießen. Tage Arbeit für ein Dokument, das einmal im Jahr gebraucht wird.
Lösungsansatz
Wir haben kein neues Dokumenten-System eingeführt. Die Originale bleiben Word und Excel, gepflegt wie bisher. Darüber liegt jetzt ein Web-Portal, das den Bestand lesbar, durchsuchbar und auswertbar macht.
Drei Dinge waren wichtig. Erstens darf nichts an den Originaldokumenten kaputtgehen, das Portal liest nur. Zweitens müssen die Kennzahlen echt sein, also direkt aus dem ERP, nicht von Hand gepflegt. Drittens soll der Auditor in Sekunden sehen, dass hier ein gelebtes System arbeitet.
So funktioniert es
Ein Indexer durchsucht den gesamten QM-Ordner. Jede Word-Datei wird zu HTML und Volltext, jede Excel-Tabelle wird ausgelesen, jedes PDF in Text umgewandelt. Aus dem Dateinamen erkennt das System die Kategorie: Handbuch, Prozessbeschreibung, Arbeitsanweisung, Formblatt, interne oder externe Dokumente.
Dabei entsteht etwas, das von Hand kaum jemand pflegt: ein Verweis-Netz. Erwähnt eine Prozessbeschreibung die Arbeitsanweisung AA 09-001, baut das Portal automatisch einen Link in beide Richtungen. Du siehst zu jedem Dokument sofort, welche anderen darauf zeigen und worauf es selbst verweist.
Im Portal browst du nach Kategorie oder tippst in die Suche. Jedes Dokument öffnet sich als Vorschau im Browser oder direkt in Office zum Bearbeiten. Rund 120 aktive Dokumente, alle in Sekunden erreichbar.
Das Kennzahlen-Dashboard holt Live-Daten aus dem Weclapp-ERP: Umsatzverlauf nach Gesellschaft, Kundenretouren als Reklamations-Abbild, offene Aufträge, Lieferanten. Damit die API nicht bei jedem Klick belastet wird, landen die Antworten für eine Stunde in einem lokalen Cache.
Der Maßnahmenplan aus der zentralen Excel-Liste wird direkt im Browser editierbar. Status, Verantwortliche, Fälligkeiten, alles bearbeitbar, mit Änderungsprotokoll und einem Sperrschutz, damit nicht zwei Leute dieselbe Zeile gleichzeitig überschreiben. Offene, überfällige und erledigte Punkte erscheinen als Diagramm.
Der Höhepunkt ist die Managementbewertung. Ein Klick, und das Portal baut den kompletten Bericht nach ISO 9001:2015 Abschnitt 9.3 zusammen: Geschäftslage und Kontext, Maßnahmen aus der Vorperiode, Dokumentationssystem, Kundenorientierung, Qualitätsziele mit Soll und Ist, Audit-Ergebnisse, Verbesserungsbedarf, Beschlüsse der Geschäftsführung. Alle Zahlen kommen live aus ERP und Maßnahmenplan. Per Gotenberg wird daraus ein fertiges PDF zum Unterschreiben.
Was es bringt
Die Suche allein verändert den Alltag. Statt durch Ordner zu klicken, tippst du ein Stichwort und hast das Dokument. Genau dieser Eindruck überzeugt im Audit: ein System, das man bedient, nicht eines, in dem man stochert.
Die Managementbewertung schrumpft von Tagen auf einen Knopfdruck. Der Bericht ist immer aktuell, weil er die echten Zahlen zieht, nicht einen Stand von vor drei Monaten. Kein Abtippen, keine Zahlendreher.
Die Kennzahlen sind ehrlich. Umsatz, Retouren und Aufträge kommen direkt aus dem ERP und sind höchstens eine Stunde alt. Das Verweis-Netz macht Abhängigkeiten sichtbar, die vorher nur in einzelnen Köpfen steckten.
Technik kurz
Next.js mit serverseitigem Rendering, Tailwind für die Oberfläche, recharts für die Diagramme. Dokumente werden mit mammoth, exceljs und pdf-parse ausgelesen. Keine externe Datenbank: die Daten kommen aus dem Dateisystem und der ERP-API, gecacht in einer SQLite-Datei. Die PDF-Erzeugung übernimmt Gotenberg. Das Ganze läuft im Docker-Container hinter Traefik, mit Login pro Mitarbeiter.
Fazit
Die Originaldokumente bleiben, wie sie sind. Darüber liegt ein Portal, das sucht, verknüpft, auswertet und auf Knopfdruck den Audit-Bericht baut. Aus einem Ordner-Archiv wird ein gelebtes Qualitätsmanagement, das im Audit überzeugt und im Alltag Zeit spart. Wenn dein Betrieb sein QM-System ähnlich verstaubt im Dateisystem hat, lohnt der Blick auf so ein Portal.